Wie kann man mit schwierigen Situationen gesund umgehen?

Ein Beitrag von Fernanda.

Wer täglich mit Menschen arbeitet, muss einiges aushalten können. Nähe und Distanz zu Patient*innen oder Klient*innen muss immer wieder professionell ausbalanciert werden. Auf jede Person muss unterschiedlich eingegangen werden, allerdings müssen auch institutionelle Rahmenbedingungen und persönliche Grenzen beachtet werden. Die zwischenmenschliche Interaktion kostet Energie, die auch regelmäßig wieder aufgefüllt werden muss, damit es nicht zu Erschöpfungszuständen kommt. Geringe Bezahlung und Zeitdruck sowie andere schwierige Bedingungen kommen hinzu und machen es umso wichtiger, dass wir gut auf uns achten. Wie in anderen Artikeln von „Blaupause“ bereits erklärt, führt auch die aktuelle Coronakrise zu besonders schwierigen Arbeitsbedingungen.

In diesem Beitrag soll es jedoch nicht speziell um Covid-19 gehen, sondern um den persönlichen Umgang mit schwierigen Situationen oder Krisen im Allgemeinen. Dazu inspiriert hat Fernanda ein Gespräch. Gemeinsam mit Juliet hat sie sich Gedanken gemacht, was in schwierigen Zeiten helfen kann, nicht die Hoffnung zu verlieren.

Was kann uns also helfen?

  • Die Situation so annehmen wie sie ist und das Beste daraus machen. Wir können nicht jeden Umstand verändern. Der aktuellen Covid-19-Pandemie und den dazu gehörenden Konsequenzen für unseren Alltag sind wir zum Beispiel ausgesetzt, ohne daran direkt etwas ändern zu können. Was wir jedoch tun können, ist unser Verhalten an die neue Situation anzupassen. Wir können die Situation als Spielrahmen begreifen, den wir individuell ausgestalten können.
  • Flexibilität, kreative Einfälle und Eigeninitiative sind gefragt: Neue Situationen erfordern einen neuen Umgang und die Erweiterung alter Strategien. Wer sich gut kennt, weiß, was ihm*ihr gut tut und Freude bereitet. Gerade in schwierigen Zeiten sollten wohltuende Aktivitäten und Auszeiten fest auf dem Tagesplan stehen, um den vorhandenen Stress aufzuwiegen und die eigene seelische Ausgeglichenheit zu gewährleisten. Wie kann ich neue Aktivitäten finden, um mein bisheriges „Programm“ zu ergänzen und es um Möglichkeiten zu erweitern, die für die aktuelle Situation passend sind?
  • Strukturen geben Halt. wenn gerade alles unsicher ist: Was gibt dir in deinem Leben Stabilität und das Gefühl von Sicherheit? Hast du Rituale oder Routinen, die dir ein Gefühl von Verlässlichkeit und Berechenbarkeit geben? Dazu kann das wöchentliche Telefonat mit der guten Freundin genauso gehören, wie das Schauen der Lieblingsserie oder der morgendliche Frühstücks-Smoothie.
  • Soziale Kontakte: Pflege Freund- und Bekanntschaften besonders in schwierigen Zeiten und probiere die zur Verfügung stehenden Kontaktformen aus. Ob Videocall mit den Eltern, WhatsApp-Sprachnachrichten mit Freund*innen oder eine Karte an die entfernt lebende Tante: Sich gegenseitig zu stützen, kann enorm helfen, um sich nicht isoliert und verloren zu fühlen.
  • Beschäftigung hilft dabei, nicht in Grübel-Spiralen abzugleiten: Wir alle kennen das wahrscheinlich: Wenn uns ein Thema stark einnimmt, beschäftigt es uns permanent und wir finden nur schwer Abstand dazu. Genau dieser Abstand ist aber nötig, um sich nicht in negativen Gedanken, Ängsten und Grübeleien zu verlieren. Suche dir also gezielt Aktivitäten, bei denen du deinen ganzen Fokus auf die Tätigkeit richten musst. Von Puzzlen über Sudoku, das Erlernen einer neuen Sprache oder Fitness im eigenen Wohnzimmer ist dabei verschiedenstes möglich.
  • Sich selbst stärken tut gut: Du hast schon schwierige Situationen bewältigt. Wenn du dich verunsichert und ängstlich fühlst, kann es helfen, dir ins Gedächtnis zu rufen, was du bereits erfolgreich bewältigt hast. Schwierige Prüfungen, Umzüge in fremde Städte, Konflikte auf der Arbeit… Es gibt Vieles, was du schon geschafft hast. Kleines und Großes. Als Erinnerungshilfen kannst du Notizen oder Fotos verwenden.
  • Selbstfürsorge macht dich mental stark: Sich gut um dich zu kümmern, hilft dir dabei, dich wohl zu fühlen und gibt dir die Sicherheit, dich versorgen zu können. Zu Selbstfürsorge gehört das körperliche und seelische Wohlbefinden, welches durch Schlaf, Ernährung, Bewegung, soziale Kontakte, Entspannung, Aktivität usw. hergestellt und erhalten werden kann.
  • Sich von schwierigen Situationen oder Misserfolgen nicht unterkriegen lassen: Hier kommt es auf deine Haltung an. Schwierige Situationen und unangenehme Gefühle gehören zum Leben genauso dazu wie Angenehmes. Hinnehmen, daraus lernen, weiter machen. Wir sind lernende Wesen, die sich durch Übungen weiterentwickeln können.
  • Nicht im „Jammermodus“ verharren: Wut, Verletztheit, Angst, Enttäuschung, Unsicherheit und Traurigkeit – all diese Gefühle gehören zum menschlichen Gefühlsspektrum dazu und sind völlig normal. Wichtig ist es allerdings, nicht in diesen Emotionen „stecken zu bleiben“, um sich nicht hilfloser zu machen als man eigentlich ist. Nimm deine Gefühle an und schaue, wie du gesund damit umgehen kannst. Dazu gehört, nach Lösungsstrategien zu suchen und diese umzusetzen.
  • Selbst aktiv werden heißt die Devise: „Selbstwirksamkeit“ nennt man das, was sich einstellt, wenn man weiß, dass man das eigene Leben aktiv mitgestalten kann. Dies ist das Gegenteil zum Gefühl von Hilflosigkeit. Es gibt immer Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass eine Situation erträglicher für dich wird. Manchmal kann es dazu gehören, die eigene Haltung zu verändern. Egal ob Veränderungen in dir selbst oder „im Außen“: Du musst dazu die Initiative ergreifen. Es wird kein anderer für dich tun.
  • Möglichkeiten nutzen, um Ziele zu erreichen: Überlege, was dein Ziel ist und wie du es erreichen kannst. Was brauchst du dafür? Nähere dich deinem Ziel schrittweise und geplant an und nutze die verschiedenen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Meist gibt es mehr als einen Weg zum Ziel.
  • Mut zum Ausprobieren: Neue Fähigkeiten beherrschen wir nicht von heute auf morgen, sondern müssen uns die Chance geben, durch Übung zu lernen. Neues auszuprobieren und daraus zu lernen, ist deshalb wichtig, um mit neuen Situationen gelingend umgehen zu können.
  • Sich Hilfe suchen: Du kommst allein nicht mehr weiter? Auch das ist völlig menschlich. Es ist normal und völlig ok, sich Unterstützung zu suchen. Diese kannst du in deinem privaten Umfeld, aber auch bei professionellen Einrichtungen erhalten. Im Internet erhältst du Informationen über die zu deiner Fragestellungen passenden Institution. Trau dich, du hast nichts zu verlieren.
  • Selbstverantwortung, Wille, Motivation: Wenn ich etwas unbedingt möchte, habe ich eine hohe Motivation, dieses Ziel zu erreichen. Motivation ist nötig, um die entsprechende Energie aufzubringen, um Herausforderungen zu bewältigen. Was motiviert dich? Was ist dir wichtig? Was willst du erreichen, was um jeden Preis vermeiden? Je klarer du dir darüber bist, desto gezielter kannst du etwas erreichen.
  • Sich aufs Positive konzentrieren: Führe dir immer wieder vor Augen, was heute geklappt hat, was schön war, wofür du dankbar bist. Wir müssen unseren Blick immer wieder bewusst auf das Gute in unserem Leben lenken, damit es nicht von negativen Ereignissen überschattet wird.
  • Klarer Fokus auf´s Wichtige: Man kann nicht alles gleichzeitig tun. Überlege dir, was deine heutige/aktuelle Priorität ist und stelle Unwichtigeres hinten an.
  • Choose wisely: Immer wieder haben wir die Gelegenheit, uns zwischen verschiedenen Optionen zu entscheiden. Entscheide dich bewusst und klar für die Option, die dir und der Erreichung deiner Ziele dient.
  • Gelassenheit und Zuversicht: Finde Möglichkeiten, um dich zu entspannen, Körper und Geist zu beruhigen und damit wieder klar und mit Zuversicht auf die Dinge schauen zu können. Mit einer zuversichtlichen Ausrichtung konzentrierst du dich auf Chancen und Möglichkeiten statt auf deine Ängste. So fühlst du dich wohler und erreichst Ziele eher, als wenn du negativ denkst.
  • Dankbarkeit: Mache dir bewusst, was du in deinem Leben an Ressourcen hast. Dazu gehören Personen, Materielles (Dach über dem Kopf, Geld, um dich zu ernähren…), Erlebnisse und Erfahrungen.

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