“5 vor 12” mit Dr. med. Till Bugaj

Ein Interview von Hanno Ullrich.

Auch wir müssen irgendwann einen Schongang einlegen. 

Till Bugaj

Kurze Vorstellung des Interviewten 

Name:  

Dr. med. Till Johannes Bugaj 

Beruf/Berufung: Facharzt für Innere Medizin. Aktuell in der Weiterbildung zum zweiten Facharzt (Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) an der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Heidelberg. 

Aufgabenfeld im Gesundheitswesen: Expertise in psychosozialer Prävention bei Ärzt*innen und Medizinstudierenden, Expertise als Seminar- und Workshopleiter für Ärzt*innen, Burnout-Prävention, Medizindidaktik und medizinische Ausbildungsforschung  

Seit fast 6 Jahren leitet Dr. med. Till Johannes Bugaj Seminare für Medizinstudent*innen und Ärzt*innen zum Thema Selbstfürsorge in Studium und Beruf. Mit Blaupause hat er über seine Erfahrungen gesprochen und seine Tipps für mentale Gesundheit mit uns geteilt.  

DIE FÜNF – Einstiegsfragen: 

  1. Mentale Gesundheit … 

… fängt für mich ziemlich früh an. Das heißt, es ist wichtig, erstmal achtsam für Stress- und Körpersignale zu sein, in sich reinzuhören, ob irgendwas ins Ungleichgewicht geraten ist und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es sich lohnt, dem nachzugehen und für die eigene psychosoziale Gesundheit aktiv  zu werden. 

  1. Was tust Du persönlich für Deine eigene Psychohygiene, um Abstand von Deinem Berufsalltag zu bekommen? 

Ich bin ein ziemlicher Genussmensch. Also wenn ich merke, dass ich gerade eine besonders stressige Arbeitsphase habe, setze ich dem gerne irgendwelche hedonistischen Wochenendaktivitäten entgegen und lege mir zum Beispiel bewusst einen Ausflug oder einen guten Restaurantbesuch in den Terminkalender; also was, auf das ich mich dann auch richtig freuen kann. So banal das vielleicht klingen mag, für mich funktioniert es sehr gut, ganz bewusst solche Genussmomente zu setzen. 

  1. Worin siehst Du erste „Warnsignale“ beginnender psychischer Probleme bei Kolleg*innen? 

Das ist ja immer eine Reaktion auf Stress, und Stressoren sind völlig individuell unterschiedlich. Jeder Mensch ist von ganz anderen Dingen gestresst, während wir evolutionär vielleicht alle noch vom Säbelzahntiger gleichermaßen gestresst waren, weil der einfach gefährlich war, und weil der für den Steinzeit-Menschen eine reale Bedrohung war, ist es heute häufig so, dass es ganz viele interindividuell unterschiedliche Stressoren gibt. Und so wie Stress total unterschiedlich erlebt wird, sind auch die Symptome des Stresses oder der Stressbelastung sehr unterschiedlich. Es gibt vielleicht ein paar objektivierbare gemeinsame Punkte, wie gesteigerte Herzrate oder höherer Blutdruck, aber etwa auf der Verhaltens- oder Affektebene laufen Stressreaktionen ja sehr unterschiedlich ab. Was so ein bisschen als so ein ärztliches Belastungszeichen gilt, ist ein zunehmender Zynismus.  

  1. Was macht es Deiner Erfahrung nach gerade für Behandelnde/Helfende so schwer, selbst Hilfe zu suchen und in Anspruch zu nehmen? 

Bei meinen Seminaren zum Thema “Gesund im Arztberuf” stelle ich immer die Frage, wer von all diesen Ärzten im Raum einen Hausarzt hat und spannenderweise gehen da relativ wenig Hände nach oben. Das scheint mir ganz typisch, weil viele denken: Naja, warum brauche ich denn einen Arzt, ich bin ja selber Arzt. Und ohne das nun als richtig oder falsch zu bewerten, zeigt es, wie schwierig es ist, sich als Arzt selbst behandeln zu lassen. Ich denke, viele haben Angst vor einem Imageschaden oder davor, als Ärzte zu sehr Schwäche zu zeigen – sie selbst gelten ja als Gesundheitsexperten. Und dann können sie nicht krank werden. Wir haben auch einen hohen Präsentismus, Ärzte haben einen sehr geringen Krankenstand. Das sind ja alles so Symptome dessen, dass man als Arzt irgendwie gesund zu sein hat, zu funktionieren hat. Und das ist jetzt sicherlich kein seltenes Phänomen, dass Ärzte irgendwie merken, bei ihnen ist was nicht in Ordnung. Dann messen sie vielleicht mal mit ihrem elektrischen Blutdruckmessgerät ihren eigenen Blutdruck und merken, der ist zu hoch. Und dann fangen sie an irgendwie, sich ihre eigenen Tabletten zu rezeptieren und die Frage ist so ein bisschen, wo die Grenze ist. Wie weit kann man das treiben? Und ab wann muss man sich doch an Kollegen wenden? Ab wann muss man doch irgendwie sagen: Nee, ich sehe jetzt ein, ich bin auch gerade somatisch oder psychosozial erkrankt und auch ich brauche Hilfe? Also das ist schwierig. 

  1. Was müsste sich Deiner Meinung nach ändern, um das Thema „psychische Störungen“ besonders bei den Menschen zu enttabuisieren und zu entstigmatisieren, die im Gesundheitswesen arbeiten? 

Zu entstigmatisieren oder zu enttabuisieren ist, glaube ich, nochmal ein ganz eigenes Thema, was auch total wichtig wäre. Aber erst einmal wäre mir extrem wichtig dafür zu sorgen, dass die Prävalenz abnimmt, also dass es einfach weniger Fälle gibt von psychosozialen Störungen, von psychosozialen Krankheiten bei im Gesundheitswesen Tätigen. Und da müsste man weniger auf die Ebene der Verhaltensprävention gehen, also den Leuten, die eh schon viel arbeiten und die dann eh schon irgendwie durch den Job gestresst sind, nicht verpflichtende Achtsamkeitskurse vorschreiben oder noch irgendwelche Anti-Stress-Seminare, die die belegen müssen. Das ist alles gut und richtig; ich selbst biete ja solche Seminare an, kann aber nur ein Teil der Lösung sein.  Denn die Verhältnisse müssten sich auch ändern, also eine verhältnispräventive Ebene wäre total wichtig. Nicht nur Verhaltensprävention, sondern Verhaltens- und Verhältnisprävention. Also wenn wir Stress dadurch haben, dass wir zu wenig Arztstellen oder zu wenig Pflegestellen in einer Klinik haben oder ähnliches, dann wäre es natürlich auch wichtig, dass sich da was daran ändert. Sonst ist es irgendwie falsch, dem Mitarbeiter beizubringen, mit seinem Stress umzugehen, aber gleichzeitig nichts gegen den systemisch bedingten Stress zu tun. 
Und zu der eigentlichen Frage, wie man entstigmatisieren kann oder enttabuisieren. Also es müsste halt einfach ein Umdenken stattfinden, dass vielleicht nicht diejenigen als krank gelten oder gestört gelten oder ähnliches, die zum Beispiel eine Therapie in Anspruch nehmen, sondern dass man dem wertschätzend begegnet und sagt: Naja, das ist ein total wichtiger Schritt. Da hat ja jemand die richtigen Konsequenzen gezogen oder da war jemand so achtsam mit sich selbst, dass er gemerkt hat: „Okay, irgendwas geht nicht mehr, ich zieh mal eine Notbremse und ich begebe mich in professionelle Hilfe.“ Aber solange man dann hinter vorgehaltener Hand spricht: „Hast du gehört, der Kollege braucht schon Psychotherapie, lang wird das nicht mehr gut gehen mit dem…“ oder so was. Ja, solange so ein Mindset besteht, ist es wahrscheinlich schwer, an der Entstigmatisierung zu arbeiten. 

Die Fragen aus dem Forum: 

  1. Inwiefern lässt es sich vereinbaren, einen helfenden Beruf zu ergreifen, ein Medizin- oder Psychologiestudium aufzunehmen, und gleichzeitig an einer schweren seelischen Erkrankung zu leiden? – Unter der Voraussetzung, dass man medikamentös gut eingestellt ist und in regelmäßiger Behandlung ist. 

Das, was du ansprichst, ist ja kein ganz seltenes Phänomen. Wenn man so Zahlen glaubt, gibt es ja jetzt durchaus eine hohe psychosoziale Belastung schon im Studium. Eine Studie von Koehl-Hackert aus dem Jahr 2012 spricht von bis zu 20% klinisch-signifikanter Burnout-Belastung im Praktischen Jahr am Standort Heidelberg. Ich meine, das rückt die Frage, ob man mit einer psychosozialen Erkrankung, oder zumindest einer erheblichen psychosozialen Belastung, Medizin studieren kann oder Psychologie ja in ein ganz anderes Licht. Also das tun ja dann scheinbar sehr viele. Ist natürlich auch nochmal eine andere Situation, ob man schon lange unter einer psychosozialen Erkrankung leidet, von der man lange weiß und zum Beispiel schon die Schulzeit damit bewältigt hat, also längst irgendwie Unterstützung bekommt, psychosomatische, psychiatrische Termine wahrnimmt, etc. – und mit diesem Wissen ein Medizinstudium startet. Oder ob das halt wirklich was ist, was sich in dem Studium durch die Verdichtung, durch den Studienstress oder so erst entwickelt. Ich denke aber nicht, dass das ein absolutes No-Go oder eine Kontraindikation für ein Studium ist, sondern dass es grundsätzlich auf möglich sein kann. 

  1. Was würdest du genau solchen Studierenden raten? 

Mediziner sind ja kompetitiv und werden durch das System, wie etwa die Vergabe der begehrten Studienplätze, teilweise auf Wettbewerb getrimmt. Was ich denen also rate: Dass das eine Kategorie ist, die man möglichst ausklammern sollte. Also wenn man eine schwere psychosoziale Beeinträchtigung oder Krankheit hat, ist es ein riesiger Erfolg, das Studium überhaupt zu bewältigen. Und man sollte sich vielleicht nicht – ich weiß, dass das schwer umzusetzen und sehr leicht gesagt sein mag – zu sehr in die Konkurrenzsituation begeben. Ich glaube, man muss probieren, dieser Konkurrenzsituation ein Stück weit auszuweichen und für sich eigene Ziele formulieren. Also zum Beispiel: Für mich ist ein riesiger Erfolg, mein Physikum zu bewältigen, aber ich muss es nicht in der gleichen Zeit wie die anderen tun und ich muss es nicht als Studienbester.  
Wichtig ist einfach nur, dass ich auf mich Acht gebe, mein eigenes Tempo fahre, ohne mich zu sehr von anderen unter Druck setzen zu lassen. Im Medizinstudium gibt es ganz, ganz viele Gelegenheiten, sich zu verlieren, das eigene Wohlbefinden außer Acht zu lassen, selbst wenn man nicht vorher schon unter einer psychosozialen Erkrankung gelitten hat. Also es ist umso schwieriger für diejenigen, die schon bekanntermaßen unter so einer Erkrankung leiden. Gerade diese nächtelangen Lernphasen kurz vor wichtigen Prüfungen, vor dem Physikum, vor dem Staatsexamen sind Zeiten, in denn auch schon die als gesund geltenden eine sehr hohe Stressbelastung zeigen. Da ist es enorm wichtig, einfach mal zu sagen: Hey, steck dir andere Ziele, versuche den Druck rauszunehmen.  

Das ist einfach nur eine besonders vulnerable Gruppe, auf die man besonders gut Acht geben muss und denen man nur wünschen kann, dass sie achtsame und rücksichtsvolle Kommilitonen haben. Auch da wäre eine Entstigmatisierung sinnvoll.  

  1. Wo kann man sich individuell auch nochmal beraten lassen? An wen können sich genau diese Leute auch wenden, um sich da Hilfe zu holen? 

Es ist wichtig, die psychosoziale Beratungsstelle zu kennen. Das empfehle ich immer allen Studenten, die mich so was in die Richtung fragen. Da sitzen Leute, die sich gerade mit psychosozialen Problemen bei Studenten gut auskennen, die nichts anderes machen als tagein, tagaus Studenten zu beraten, die z.B. unter Stress und Ängsten im Studium leiden. Ja, und letztlich ist es dann auch sehr wichtig, denke ich, obwohl ich eben noch ein Plädoyer für Verhältnisprävention gesetzt habe, bei diesen Leuten, die darum wissen, dass sie eine psychosoziale Erkrankung haben, dass die ein paar Skills beherrschen. Und da sind wir dann doch wieder im Bereich der Verhaltensprävention. Also die vielleicht eine Entspannungstechnik beherrschen, die sie irgendwie nach besonders stressigen Uni-Nachmittagen abends einsetzen können, dass die einen guten Ausgleich haben, dass die versuchen, irgendwie über das psychosoziale Umfeld auch über außerberufliche, außeruniversitäre Aktivitäten sich eine Sicherheit und Festigkeit zu holen, eine Stabilität zu holen, die extrem wichtig wird für die Studienzeit.  

Die Fragen zur Expertise:  

  1. Du hast an verschiedenen Arbeitsplätzen gearbeitet. Gab es da einen, abgesehen von deinem aktuellen, damit du nicht in Konflikt kommst, wo es so eine Wohlfühl-Atmosphäre gab oder wo etwas besonders gut lief an den Verhältnissen? 

Ja, also ich bin insgesamt relativ gesegnet gewesen in meinen Rotationen, weil ich immer in einem ziemlich guten Team arbeiten durfte, und mich, im Gegenteil nicht nur an einer Stelle, sondern überall recht gut aufgehoben fühlte tatsächlich. Also ich habe viele funktionierende Arbeitsteams erlebt, was viel wert ist. Was mich aber ganz besonders nachhaltig geprägt hat, glaube ich, was ich wahnsinnig gut fand, ist, dass ich im Praktischen Jahr 16 Wochen als Wahlfach Palliativmedizin gemacht habe und da hat es mich sehr beeindruckt, wie die Patienten wirklich völlig interdisziplinär besprochen wurden, wie engmaschig es Supervision für die Mitarbeiter gab, also wie wir supervidiert wurden. Das ist in dem Bereich natürlich auch nochmal besonders wichtig, weil es da viele menschliche Schicksale und Extremfälle zu verdauen gab. Aber das war schon sehr eindrücklich, wie wir in den Besprechungen völlig gleichberechtigt die Perspektive der Pflegenden, der Physiotherapeuten, der Ärzte, der Studenten, also ich war der einzige Student dort, aber wie wir das alles irgendwie sehr gleichberechtigt und nebeneinander existierend in eine Besprechung geworfen haben diese ganzen Sichtweisen, und daraus dann immer Konsensentscheidungen herausgearbeitet haben. Und ich glaube, da fühlte sich jeder so sehr gesehen und geschätzt und als wichtigen Bestandteil des Teams, dass keine Gratifikationskrisen aufkamen, dass keiner gesagt hat: „Ich arbeite und man würdigt meine Arbeit nicht.“ Da hat jeder gemerkt: Ja, ich arbeite hier viel und ich arbeite hier auch hart, aber es wird total geschätzt, was ich tue.  

  1. Das heißt also, dass das Team wichtig ist? 

Absolut. Also auch einfach, dass der eine merkt, wenn es dem anderen nicht so gut geht oder so, und das funktioniert ja nur, wenn man auch Zeit als Team zusammen verbringt. Was in meiner Heimatabteilung hier in Heidelberg sehr gut funktioniert, ist, dass wir jährlich unseren Betriebsausflug machen, dass wir unsere Weihnachtsfeier zusammen haben, dass wir sehr kollegial miteinander umgehen und eben diese vielen Aktionen und Begegnungen haben, die das Miteinander unentwegt stärken. Das klingt immer so blöd und nach so einer platten Phrase, aber das ist, glaube ich, echt total wichtig. Dass man sich so gut kennt und kennengelernt hat als Kollegen, dass man auch ein Gefühl dafür entwickelt: „Okay, der ist irgendwie verhaltensverändert“. Wie soll ich feststellen, ob mein Kollege verhaltensverändert ist, wenn ich ihn kaum kenne? Dafür braucht es eben, glaube ich, diese Team-stärkenden, Team-bildenden Maßnahmen.  

  1. Du sprichst immer wieder die Verhältnisse an. Wie könnte denn ein ideales, oder zumindest besseres Medizinstudium aussehen? 

Es gibt von einer amerikanischen Autorengruppe eine spannende Publikation, wo mal eine ganze Universität, die Saint Louis University School of Medicine, umgekrempelt wurde. Die haben also wahnsinnig viele verhältnispräventive Maßnahmen getroffen und konnten zeigen, dass die Studenten tatsächlich weniger gestresst sind und dass die Ergebnisse vom amerikanischen Staatsexamen trotzdem nicht darunter gelitten haben. Da hat man zum Beispiel das bisherige Notensystem abgeschafft. Da gab es nur noch „pass“ oder „fail“. Also man hat jeglichen Konkurrenzdruck rausgenommen, weil sich das Semester untereinander nicht mehr verglichen hat. Da wurden mehr Feste eingeführt an der Fakultät, wo Dozenten auch mal im Freizeitaustausch mit Studenten waren. Für diese neuen Initiativen wurden Komitees gegründet, die durch Studenten und Dozenten besetzt wurden. Da wurden also ganz viele Maßnahmen getroffen, die irgendwie auch das Zusammenarbeiten von Dozenten und Studenten weniger auf diese ‘Ich bewerte dich’-Ebene, sondern hin zu diesem ‚Wir können auch Hand in Hand zusammenarbeiten‘ verlagert haben. Eine sehr spannende Arbeit. Und spanned ist auch die Frage nach der Entwicklung des nationalen Medizinstudiums. Also werden wir vielleicht in 20 Jahren in Deutschland auch weniger Notendruck im Medizinstudium haben? Oder wie wird dann der Einstieg ins Medizinstudium reguliert? Also da habe ich ganz viele Fragen: Wie wird das Studium in 20 Jahren sein? 

Die Zwölfte – Abschlussfrage: 

  1. Welchen Rat möchtest Du Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten oder sich in einer entsprechenden Ausbildung befinden, hinsichtlich ihrer eigenen mentalen Gesundheit mit auf den Weg geben? 

Ein Rat ist immer so schwierig. Sowas ist ja oft gut gemeint, und dann doch nicht so gut gemacht. Aber ich versuche es mal… Es gibt dieses Bild, dass eine Waschmaschine nicht permanent durchschleudert, sondern immer mal wieder einen Schongang einlegt. Eine Waschmaschine ist ja, wenn man Wäsche reinwirft, das Programm wählt und den Startknopf betätigt nicht zwei Stunden nur am Schleudern. Und das gilt, glaube ich, auch für uns Menschen. Das heißt auch wir müssen irgendwann einen Schongang einlegen, immer mal wieder. Und ich glaube, der Rat, den ich habe, ist viel niederschwelliger als: „Lernt jetzt MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction, Anm.)“, oder „Macht alle progressive Muskelrelaxation“. Da gibt es, glaube ich, keine Methode, die für alle gleich hilfreich ist. Der eine wird wahnsinnig aggressiv, wenn er eine Achtsamkeitsübung machen soll, weil es ihn verrückt macht, und der andere profitiert davon. Deswegen möchte ich so etwas keinem raten, sondern einfach nur empfehlen: Lernt eure Körpersignale zu deuten! Lernt, die Signale zu deuten und legt dann, wenn nötig, auch mal einen Schongang ein. Und ich glaube, wenn das jeder lernt, also wenn es an der Zeit ist, mit dem Schleudern aufzuhören, und mal den Schongang einzulegen, dann ist schon sehr viel gewonnen. Das klingt jetzt total banal, und man denkt erstmal, das sollte doch jeder hinkriegen, aber nein, das kriegt, glaube ich, nicht jeder hin. Wenn solche kleinen Links funktionieren, also zum Beispiel der Zusammenhang zwischen nächtlichem Zähneknirschen, einer zunehmenden Gereiztheit und dem Stress im Studium erkannt wird, dann ist das bereits ein großer Schritt zur Selbstfürsorge. Und deswegen ist mein Rat, an die, die dort tätig sind und tätig werden wollen, eigentlich nur: Lernt, eure eigenen Zeichen und Körpersignale zu deuten. Ein jeder Körper sendet andere Signale aus, wenn er unter Stress gerät. Beschäftigt euch ein bisschen damit, lernt eure persönlichen Zeichen kennen, und dann ist schon ganz viel gewonnen. Mehr nicht. 

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